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Erinnerung, Geschichte und Politik – ein Spannungsfeld, das für Gesprächsstoff sorgt![]() Paris-Brügge-Natolin, den 13. März 2008
Freunde des Europakollegs haben sich an der Diskussion beteiligt. Der estländische Historiker Marek Tamm erläuterte, dass das Vorhandensein zweier Gemeinschaften mit unterschiedlichen Geschichtsbildern ihres Landes (das eine orientiert sich an der nationalen Geschichte, das andere an Russland) zu schweren Identitätskonflikten in Estland führt. In der Internet-Debatte wurde deutlich, dass in anderen Ländern (z.B. Belgien) eine vergleichbare Situation besteht, und auch die Geschichtsbilder in den verschiedenen Gemeinschaften Europas stark voneinander abweichen. Ebenfalls im Zusammenhang mit den baltischen Staaten befasste sich der Vorsitzende der Vereinigung „Nouvelle Europe“, Philippe Perchoc, mit der Tatsache, dass hier paradoxerweise drei sehr unterschiedliche Länder als eine historische Einheit gesehen werden. Doch gemeinsame Erfahrungen, besonders gleichermaßen erlittenes Unrecht (man denke an Ernest Renans Definition einer Nation) und gemeinsame Feinde (der deutsche Adel und das Russische Reich) haben in diesen Ländern zur Entwicklung eines gemeinsamen Geschichtsverständnisses geführt. Nach Auffassung der Historikerin Anne-Marie Thiesse sind die modernen Nationen durch Verklärung einer ruhmreichen Vergangenheit entstanden. Es drängt sich die Frage auf, ob Europa ebenso verfahren soll? Hat Europa das nötig? Der Soziologe Georges Mink weist seinerseits darauf hin, wie notwendig und zugleich problematisch eine gemeinsame europäische Sichtweise bestimmter geschichtlicher Ereignisse ist. So betrachteten beispielsweise die neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ihren Beitritt als Wiedergutmachung für die Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, während man in Westeuropa die Erweiterung eher als verfrühtes Geschenk an diese neuen EU-Staaten sah. Die Ergebnisse dieser ausführlichen Kommentierung des Themas liegen jetzt vor. Claire A. Poinsignon Robert Picht An dieser Ausgabe wirkten mit: Deniz Anan (Deutschland) Lina Barauskaite (Litauen) Anna Fülöp (Ungarn) Irene Fuentetaja Cobas (Spanien) Geoffrey Grandjean (Belgien) Nina Löchte (Deutschland) Laura Mestre Gascón (Spanien) Anne Morin (Frankreich) Nicolas Pradalié (Frankreich) Charlotte Rive (Frankreich) Vitalija Simkute (Litauen) Dorota Szeligowska (Polen) Maria Tomasik (Polen) Anton Tsygankov (Russland) Übersetzung: Sprachendienst ARTE Straßburg Bildrecherchen: Luis Bouza Garcia Überarbeitung und Einbau der deutschen Fassung: Andrea Krumnow 1 Edouard zufolge will Geremek sich nicht an Initiativen über die Türkei beteiligen.
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