Programm Geschichte & Gesellschaft Kunst & Musik Film Wissen & Entdeckung

TV-Programm
Interviews
Bibliografie
Quiz
Interviews | Laurent Firode | Virgine Wagon | Moufida Tlatli
Virgine Wagon

Es muss meine Tochter sein - Freitag, den 16. Juni 2006 um 20.40 Uhr

Virgine Wagon - Regisseurin



Virginie Wagon spricht über die Entstehung ihres Films, in dem trotz der Dramatik der Situation eine gewisse Leichtigkeit des Tons erhalten bleibt, und über die große schauspielerische Leistung Catherine Jacobs in der Rolle der bissigen, kampflustigen Maud.

Wie ist ARTE an Sie herangetreten, und warum haben Sie diese außergewöhnliche Geschichte gewählt?
Ich hatte für die Reihe Masculin/Féminin von ARTE bereits einen Film mit dem Titel „Vor aller Augen“ gedreht. François Sauvagnargues (der Leiter der Redaktion Fernsehfilm von ARTE France) hat sich dann erneut an mich gewandt. Da die Mutter-Tochter-Beziehungen ein sehr weites Feld sind, habe ich sofort nach einem wirkungsvollen, originellen Ansatz gesucht. Auf der Grundlage einer Zeitungsnotiz, in der es um die Verzweiflung einer Familie über den Tod eines Angehörigen geht, habe ich mir diese Geschichte ausgedacht. Ich fand es amüsant, eine Frau die Frage nach ihrer Mutterschaft stellen zu lassen, während sich normalerweise eher Männer die Frage nach ihrer Vaterschaft stellen. Außerdem erschien es mir interessant, ein aktuelles Thema im Zusammenhang mit Adoptionen anzusprechen: Ist die wahre Mutter eines Kindes diejenige, die es geboren hat oder diejenige, die es aufzieht?

Trotz der dramatischen Situation bleibt in dem Film stets eine gewisse Leichtigkeit des Tons erhalten.
Ja, denn obwohl ich ein Drama schildere, wollte ich auf keinen Fall ins Pathos abgleiten. Deshalb habe ich einen leichten Ton gewählt, und der Film trägt gewisse Züge einer Komödie: Die Personen haben sehr ausgeprägte Eigenschaften und eine extreme Lebensführung. Ich habe mir den Spaß gemacht, sie mit all ihren Exzessen und ihrer Falschheit gegeneinander aufzubringen. Ich wollte, dass der Zuschauer ständig zwischen Lachen und Weinen schwankt und zugleich ein wachsendes Unbehagen verspürt.

Catherine Jacob ist wunderbar glaubwürdig in der Rolle der Maud, die nie sagt, was eigentlich Sache ist...
Als ich das Drehbuch schrieb, habe ich sehr schnell an Catherine Jacob für diese Rolle gedacht. Für mich war sie die einzige Schauspielerin, die der Figur der Maud eine „komische“ Note geben konnte. In dem Film ist sie wirklich bewegend, ohne je hysterisch oder vollkommen tragisch zu wirken. Das liegt an ihrer ganz persönlichen Art, die Dinge nicht völlig ernst zu nehmen. Sie spielt mit erstaunlicher Glaubwürdigkeit diese gebrochene, eigentlich schon so gut wie tote Frau, die alles daransetzt, ihre vermeintliche Tochter zurück zu gewinnen. Sie ist zwangsläufig böse und so stark wie ein Bulldozer, den nichts aufhalten kann. Die Figur der Johana steht im Kontrast hierzu. Arly Jover spielt diese Rolle mit echter Empfindsamkeit und rührender Anmut.
 
Die Regisseurin:
Die französische Regisseurin Virginie Wagon realisiert zunächst Reportagen und Magazine fürs Fernsehen. Ihr erster Kurzfilm "Grandir" (1995) wurde von zahlreichen internationalen Festivals wie Clermont-Ferrand und Locarno selektioniert und erhält beim Festival in Lille 1996 den Hauptpreis. Nachdem Wagon gemeinsam mit Erick Zonca Drehbücher für drei Spielfilme "Eternelles" (1995), "Seule" (1997), "Liebe das Leben" (1998) und "Der kleine Dieb"(1999) verfasst hat, realisiert sie mit "Das Geheimnis" (2000) ihr Spielfilmdebüt, das in Cannes 2001 am Festival gezeigt wurde. Im Jahr 2002 realisiert Wagon "Vor aller Augen" für die zehnteilige ARTE-Kollektion "Männlich/ Weiblich" auf ARTE am 08.04.2003.





Update: 07/06/06 | Zum Seitenanfang |

Alle Rechte vorbehalten ©2008 ARTE G.E.I.E.