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Die „Männerbewegung“: Ein kleiner Rückblick | Maskulismus – die politischen Ziele der Bewegung | „Und wir Männer?“

Die „Männerbewegung“



Ein kleiner Rückblick

Der amerikanischen Journalistin und Essayistin Barbara Ehrenreich zufolge gehen die ersten Vereinigungen von geschiedenen Männern, die sich als Opfer der Frauen sahen, auf die späten 1950er-Jahre zurück. Diesen Männern war eines gemein: der Kampf gegen ihre materiellen Verpflichtungen, das heißt die Aufteilung der Güter des Paares bei der Scheidung und die Unterhaltszahlungen. Denn zu dieser Zeit beschloss der amerikanische Staat angesichts der wachsenden Anzahl von Familien, die vom Vater im Stich gelassen wurden, die Einführung eines Systems zum Einzug des Kindesunterhaltes (alimony/child support).

Die ersten Männergruppen bildeten sich durch Vermittlung von Porno-Zeitschriften. „Playboy“ und „Penthouse“ veröffentlichten damals Artikel über geschiedene Väter, die angeblich von den Geldforderungen ihrer Ex-Frauen in den Ruin getrieben wurden. Die Männer kündigten an, dass sie gegen eine angebliche „Lage des Mannes“ kämpfen wollten, wobei die Männerbewegung eine anerkannte soziologische Terminologie übernahm und verfälschte. Jean-Claude St Amant von der Universität Laval (Quebec) erläutert: „Man kann die Thematisierung der Lage der Frau ebenso leicht rechtfertigen wie die von Arbeitern oder - wie hier in Kanada – von Ureinwohnern; in all diesen Fällen handelt es sich um bestimmte Bevölkerungsgruppen, die aus verschiedenen Gründen diskriminiert werden. Nun wurde dieser Begriff einfach im Umkehrschluss angewandt: Wenn es eine Lage der Frau gibt, dann muss es zwangsläufig auch eine Lage des Mannes geben. Dem liegt folgende Überlegung zu Grunde: Wenn Mann und Frau gleichgestellt sind, dann muss es die männliche Entsprechung zur „Lage der Frau“ geben. Nur dass die Theorie die Wirklichkeit nicht widerspiegelt, denn Männer erfahren keine systematische Diskriminierung allein aufgrund der Tatsache, dass sie Männer sind. Natürlich werden bestimmte Klassen der Gesellschaft diskriminiert, wovon auch Männer betroffen sind, aber sie werden dabei nicht als Mann diskriminiert. Zur ihrer eigenen Legitimierung haben Männerrechtler hier ein Konzept seines Sinns beraubt und die Behauptung aufgestellt, dass sie ebenso wie die Frauen Rechte einzufordern haben.“

Martin Dufresne, ebenfalls Forscher aus Quebec und Mitglied der „Männerbewegung gegen den Sexismus“ erklärt: „Mit wachsender gesellschaftlicher Gleichstellung und angesichts von Sozialhilfemaßnahmen, die dafür sorgen, dass der Staat einspringt, wenn ein Vater seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt, hat die Männerbewegung einen Kurswechsel vollzogen: Sie wendet sich nun unmittelbar an den Staat, um bei diesem mehr Macht einzufordern. Mit dieser Macht sollen Frauen effektiv davon abgehalten werden, die Scheidung einzureichen. Die Männerrechtler schlagen dem Staat also den folgenden Deal vor: Würde den Männern wieder mehr Macht über die Frauen eingeräumt, bräuchten keine Unterhaltszahlungen mehr geleistet zu werden, und die Männer wären genau wie der Staat davon befreit.“

In Europa wurden die ersten Organisationen geschiedener Männer in den 1980er-Jahren gegründet. Vorreiter war vermutlich der belgische MEP (Mouvement pour l’Egalité parentale – Bewegung für elterliche Gleichberechtigung), der 1982 im Anschluss an ein in einer Lütticher Tageszeitung geschaltetes Inserat zur Gründung einer Männerinitiative gegen die angebliche Ausbeutung des männlichen Geschlechts entstand. In Deutschland wurde 1989 Väteraufbruch für Kinder gegründet, in Frankreich entstand 1990 SOS Papa.

Wie in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Australien und Neuseeland forderten diese Männerrechtler zuerst, dass geschiedenen Vätern das elterliche Sorgerecht für ihre Kinder zugesprochen wird. Diese Forderung ist aber umso fragwürdiger, als parallel dazu immer weniger Väter das Sorgerecht beantragen. So ging beispielsweise in Frankreich die Anzahl der von Vätern im Scheidungsverfahren gestellten Anträge auf alleiniges Sorgerecht zwischen 1975 und 1989 von 15 % auf 6 % zurück. Immer weniger Männer beantragen das alleinige Sorgerecht; aber 50 % derjenigen, die einen solchen Antrag stellen, erhalten es, was im Widerspruch zu den Behauptungen der Männerrechtler steht. Unterdessen nimmt die Bewegung, die sich für die Rechte des Elternteils einsetzt, bei dem die Kinder nicht leben, erstaunliche Ausmaße an. Aufwind erhält sie durch das beispielsweise in Filmen wie Kramer gegen Kramer vermittelte Bild des Mannes als Opfer der Frau und Verlierer der Scheidung.

In Frankreich wurde der Begriff „masculinisme“ (im Gegensatz zu Feminismus, d.Ü.) 1989 von Michèle Le Doeuff geprägt: „Ich habe den Begriff ‚masculinisme’ gewählt, um diesen Sonderbestrebungen einen Namen zu geben, die sich nicht nur ausschließlich mit Geschichte und gesellschaftlicher Existenz der Männer befassen, sondern diese Einschränkung noch dazu bekräftigen (nur sie und ihr Standpunkt zählen).“




Update: 24/03/05 | Zum Seitenanfang |

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