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An zwei für den Geschichtsunterricht in den russischen Schulen prägenden Ereignissen des Sommers 2007 lässt sich dies gut verdeutlichen. Das Parlament verabschiedete ein Gesetz, das der Regierung weitreichende Befugnisse bei der Überprüfung der verwendeten Schulbücher einräumt, und der Kreml erteilte einem Werk über die jüngere Geschichte Russlands (1946 – 2006) sein ausdrückliches Plazet. Das von Wladimir Putin im Juni vergangenen Jahres gut geheißene Geschichtsbuch rief die Kritiker auf den Plan. Sie warfen ihm eine „neue“ Sicht des stalinistischen Totalitarismus vor. Der Diktator werde darin dargestellt als „derjenige unter den Sowjetführern, der den größten Erfolg hatte“, und seine Innenpolitik werde als den Bemühungen um die Errichtung einer Supermacht und den Gegebenheiten des Kalten Krieges angemessen beurteilt. Das Buch unterschlägt zwar weder die Säuberungen der 1930er Jahre, noch die Deportationen oder die Niederschlagung der Aufstände in Osteuropa, aber es legt den Akzent vor allem auf die Machtstellung des Sowjetstaates und seine militärischen Erfolge. Generell rückt dieses Schulbuch diejenigen Staatsführer in ein freundliches Licht, die zur Größe Russlands beigetragen haben, und würdigt diejenigen herab, die angeblich „verantwortlich für den Untergang des Reiches“ sind, wie etwa Gorbatschow.
Diese Vorgänge unterstreichen die Bemühungen der russischen Staatsmacht, den Russen wieder ihren Nationalstolz und Patriotismus zurück zu geben – nach dem ideologischen Vakuum in der Folge des Zerfalls des kommunistischen Systems, das für das Russland der 1990er Jahre bezeichnend war. Der Hauptvorwurf, den der Kreml den aus dieser Zeit stammenden Schulbüchern macht, lautet, sie stellten die sowjetische Epoche übertrieben negativ dar. Außerdem seien sie tendenziös, weil in der Mehrzahl von ausländischen Stiftungen finanziert. Es sei hinzugefügt, dass die Schulen derzeit selber entscheiden können, welches Geschichtsbuch sie für ihren Unterricht verwenden wollen. Der russische Erziehungsminister Andrei Fursenko hat jedenfalls gegenüber einer Zeitung erklärt, es gebe keinen Schritt zurück (wie zu Sowjetzeiten, als nur ein einziges Schulbuch zugelassen war), und diese Wahlfreiheit bleibe unberührt.
Erinnerung und nationaler Diskurs in Russland
Diese Bemühungen des Kremls erscheinen wie die logische Konsequenz der Identitätskrise, die Russland in den 1990er Jahren durchlitten hat. In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit war die Vergangenheitsdiskussion von dem Wunsch bestimmt, Russland getrennt von der UDSSR zu sehen: Das vorrevolutionäre Russland wurde als „goldenes Zeitalter“ glorifiziert, und die sowjetische Ära als Negation und Destruktion der wahren russischen Werte (mit den Bürgerkriegsjahren und den stalinistischen Säuberungen als schwärzester Phase) dargestellt. In der Folgezeit änderte sich mit der sich verschärfenden Wirtschaftskrise des Landes die Einstellung zur Sowjetunion: Man solle sie doch als Struktur beibehalten, weil sie untrennbar mit dem Schicksal Russlands verbunden sei, hieß es. Tatsächlich begannen im Zuge der katastrophalen Verarmung des größten Teils der Bevölkerung viele Menschen, sich wehmütig der früheren Stabilität zu Zeiten der Sowjetunion (zum Beispiel die sogenannte „Zeit der Stagnation“ unter Breschnjew) zu erinnern.
Diese Idee, das – sowjetische oder zaristisch-sowjetische – Reich zu bewahren, hat sich bis in unsere heutige Zeit gehalten. Präsident Putins Bemühungen um eine wiedererstarkte Nation und eine starken, zentralisierten Staat gehen wohl ebenfalls in diese Richtung. Symbolisch betrachtet war dies der Versuch, die kommunistische und die zaristische Vergangenheit unter einen Hut zu bringen. Deutlich wird dies etwa auch in der Wahl der Nationalhymne (die Musik stammt von der sowjetischen Hymne), der Landesflagge (von Peter dem Großen erdacht und Sinnbild des vorrevolutionären Russland) sowie schließlich auch in der zunehmenden Präsenz der orthodoxen Kirche in der Gesellschaft und regierungsnahen Kreisen.






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