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Eveline Lubbers




Eveline Lubbers
Make-World Festival - Oktober 2001 München

Auch die multinationalen Gesellschaften haben ihre Methoden und Strategien, um den Angriffen der Aktivisten-Gruppen entgegenzutreten und sie zu neutralisieren. Eveline Lubbers, in Amsterdam ansässige Reporterin und Aktivistin, lüftet den Schleier, der über den Überwachungspraktiken der großen Unternehmen liegt. Seien Sie wachsam, Ihr Abfalleimer ist Gold wert!

Schon während ihrer Arbeit im Büro Jansen & Janssen (dessen Mitbegründerin sie nach der Hausbesetzerbewegung in den Niederlanden in den 80er Jahren war) hatte Eveline Lubbers damit begonnen, sich mit den Methoden der Polizei und Nachrichtendienste zur Überwachung von Aktivisten-Gruppen zu beschäftigen. Später sammelte sie privat derartige Nachrichten, um herauszufinden, wie die multinationalen Gesellschaften die gegen sie gerichteten Kampagnen und die von den Aktivisten-Gruppen entwickelten Verteidigungs- und Angriffsstrategien steuerten. Für ihr Buch hat sie Beispiele solcher typischer Strategien zusammengetragen: Ein Unternehmen eröffnet den Dialog, um die Widerstandsbewegung zu integrieren, oder ein Unternehmen strengt einen Prozess wegen Diffamierung an, um den Angriffen entgegenzuwirken. "Ich habe mich besonders mit Spionagemethoden beschäftigt, wozu eine Vielzahl von Vorgängen, z. B. auch die Unterwanderung einer Aktivisten-Gruppe gehören. Vor einigen Jahren haben wir jemanden angezeigt, der die in den Müll geworfenen Papiere von mehr als dreißig Aktivisten-Gruppen und Nichtregierungsorganisationen sammelte. Diese Papiere wurden dann an ein privates Nachrichtenunternehmen - eine Art Informationsmakler - verkauft, das sie ordnete und anschließend an Unternehmen oder rechte Zeitungen verkaufte." Eveline sieht ihre Aufgabe darin, den Aktivisten klar zu machen, was das für eine Gefahr ist: "Ich möchte, dass die Leute sich solcher Praktiken bewusst sind. Sie sollen nicht etwa in Panik verfallen, aber sie sollen begreifen, welchen Wert diese Informationen für ein Unternehmen haben, um seine Gegenmaßnahmen zu treffen. Das Image der Unternehmen ist von solch großem ökonomischen Wert, dass es sie verwundbar macht. Sie wollen wissen, was passieren könnte und wie die Dinge ablaufen würden. Deshalb haben die Informationen, die aus den NGOs und den Aktivisten-Gruppen kommen, einen so großen Wert."

Das Internet ist für die Unternehmen zu einem Schlüsselinstrument geworden, hier werden Informationen gesammelt. "Den Unternehmen wird immer stärker bewusst, was für ein Machtfaktor das Internet ist und wie sie sich dieses Instruments gegen die Aktivisten bedienen können. Und sie ergreifen ihre Maßnahmen! Es gibt Agenturen, die das Netz, die Foren, die Chats und die Websites durchforsten und die Unternehmen über die für sie relevanten Inhalte informieren. Einige dieser Dienste schlagen sogar vor, kritische Äußerungen jeglicher Art zu beseitigen und die Absender solcher Nachrichten zu ermitteln. Ich versuche den Leuten zu erklären, wie man mit dieser Art Kontrolle umgehen und sie zum eigenen Vorteil nutzen kann."

"Wichtig ist, die Unternehmen, die eine derartige Überwachung praktizieren, im Internet deutlich zu benennen. Wir hatten z. B. entdeckt, dass eine dieser Überwachungsagenturen die Greenpeace-Kampagne zur geregelten Entsorgung toxischer Abfälle verfolgte. Greenpeace verfügt über ein statistisches Instrument, mit dessen Hilfe man festgestellt hat, dass ein bestimmter Überwachungsdienst zu den 10 Top-Nutzern der Website gehörte und allein auf sich mehr Zugriffe vereinte als die Zahl der über die Suchmaschine Google geschalteten User insgesamt. Dank dieses statistischen Verfahrens hat Greenpeace auch sehen können, dass ein Großteil der Internauten von BP (British Petroleum) und von Shell kam. Sie haben daraufhin eine kleine Seite ins Netz gestellt, die automatisch angezeigt wurde, wenn jemand von BP die Website kontaktierte, und die folgende Botschaft enthielt: ‚Wir wissen, dass Ihr Unternehmen die Installation von Bohrplattformen in Alaska plant. Wenn sie an einem Informationsaustausch mit Greenpeace interessiert sind, genieren Sie sich nicht.' Das ist eine ganz einfache Idee, die viele Möglichkeiten eröffnet."

Eveline Lubbers will den Aktivisten-Gruppen und den NGOs klar zu verstehen geben, dass die Unternehmen stark an ihnen interessiert sind und dass sie sich mehr einfallen lassen müssen, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. "Man sollte weniger planen, sondern überraschender reagieren. Sich mit einem Spruchband vor ein Unternehmen zu stellen, beeindruckt niemanden mehr. Die autonome a.f.r.i.k.a.-Gruppe Deutschland (eine Aktivisten-Gruppe von Künstlern und Autoren eines Buches über die Kommunikationsguerilla) hat ein Buch geschrieben, in dem in einem Kapitel verschiedene Beispiele angeführt werden, wie man mit den Zeichen, den Erwartungen der Öffentlichkeit oder dem echten Straßenaktivismus spielen kann. Ich mag solche Ideen, und ich denke, dass man sich so am besten schützt."

Eveline Lubbers
http://www.evel.nl/
Englischssprachige Vorstellung seines künftigen Buches
http://www.xs4all.nl/~evel/pandora/prop.htm
Corporate counterstragies against campagniers
http://www.xs4all.nl/~evel/n5m
The pandora project
http://www.xs4all.nl/~evel/pandora/
Büro Jansen & Janssen
http://www.burojansen.nl/

Links Afrika-Gruppe
http://www.contrast.org/KG/ (deutsch)
http://www.contrast.org/KG/engindex.htm (englisch)
Deutsche Texte sind verfügbar über
http://www.textz.com/





Update: 22/04/04 | Zum Seitenanfang |

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