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Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse
Rezensionen zu Krimis der Juni-Bestenliste
Wo sind die Millionen hin, die auf dem Höhepunkt der New-Economy-Euphorie gemacht wurden? Haben die sich komplett in Koks und Ferraris verwandelt? Nein. Der amerikanische Jungunternehmer Charles Ardai hat 2001 mit Geld aus dem Internetboom den Verlag Hard Case Crime gegründet, der alte und neue Pulp Fiction veröffentlicht. Endlich hat sich ein deutscher Verlag - Rotbuch - an die Lizenzierung dieser Titel gewagt, und das auch noch mit den Retro-Originalcovern: Knarren, Strapse und Borsalinos. Der Debüttitel, "Abschied ohne Küsse" des Schotten Allan Guthrie, widerspricht gleich der Meinung, der hartgesottene Krimi sei jedenfalls realistisch. Guthrie erzählt vom Muskelmann eines Kredithais, dem eine private Katastrophe widerfährt. Der Plot ist dünn, kriminalistische Logik wird nicht weiter bemüht, was dem Buch aber nicht schadet. "Abschied ohne Küsse" ist ein ruppig erzähltes Märchen vom Sich-wehren-Können, angesiedelt in den düstersten Winkeln der Stadt. Solche Krimis sind trotz ihrer Alles-zerfällt-Klagen nicht pessimistisch. Sie nähren als Abenteuerschwank für große Jungs die Hoffnung, man könne trotz aller Widrigkeiten auf den Beinen bleiben.
Thomas Klingenmaier/Stuttgarter Zeitung
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