Ob es anders hätte kommen können? Von John Harveys Krimis sollte man sich nicht dadurch abschrecken lassen, dass sie schreckliche deutsche Titel haben wie "Schrei nicht so laut" und "Schlaf nicht zu lange" (Orig. "Darkness and Light"). Dieser dritte mit dem pensionierten Polizisten Frank Elder erzählt von nicht mehr jungen, im Beruf erfolgreichen alleinstehenden Frauen, die nicht verzichten wollen auf ein wenig Leidenschaft. Und von einem Mörder, der das ausnutzt. In Rückblicken erfährt man, dass einst eine Psychologin mit dem Jungen arbeitete. Er machte ihr manchmal Angst, sie tastete sich trotzdem vorwärts. Dann entzog ihn die Mutter dem Zugriff der Therapeutin. Ob es also anders hätte kommen können? Harvey gibt klugerweise keine Antwort. Wie er überhaupt weder den Zufall strapaziert noch das mühevolle Klein-Klein jeder Polizeiarbeit verschweigt. Vielmehr die solide britische Krimitradition pflegt, bei deren Vertretern man nie das Gefühl hat, sie begegneten ihren Lesern mit Herablassung. Sylvia Staude/Frankfurter Rundschau




