Kriminalliteratur pur sind auch die Aberdeen-Romane von Stuart MacBride. Nummer drei, „Der erste Tropfen Blut“ bastelt wie die beiden Vorgänger weiter an einer Phänomenologie des ganz normalen Wahnsinns. Für den stehen etwa die beiden Chefs des Helden Logan McRae, denn der ist bloß ein kleiner Detective Sergeant: D(etective) I(nspector) Insch, ein fetter, cholerischer Apoplektiker mit Kunstsinn, und DI Steel, eine kettenrauchende, dauerfluchende Vettel, zerren an dem armen McRae, der mit seiner schlägernden Geliebten Watson eigentlich genug um die Ohren hat. MacBrides Aberdeen-Saga dementiert mittels böser Komik die ganze verlogene Machart der netten, aufgeplusterten Pseudo-Polizeiromane von Elizabeth George bis Ruth Rendell etc. - aber eben nicht nur deren Machart, sondern vornehmlich deren Ideologie, derzufolge die Welt nicht aus banaler, irrer, gewalttätiger Kontingenz besteht. Dass diese Kontingenz von MacBride erzählbar gemacht wird, ist seine Kunst. Genre-Kunst.Thomas Wörtche/Plärrer




