Mittwoch, 04.06.2003, 20.15 Uhr
Die Kunst des Fälschens
Reportage, Großbritannien 2000, ARTE
Von: Michael Hutchinson
"360º - Die Geo-Reportage" ergründet die Machenschaften eines Fälscherpaares und zeigt, wie bereitwillig sich die weltweite Kunstszene täuschen lässt.
Der größte Skandal in der Geschichte des Kunstmarktes begann mit einer harmlosen Anzeige in einer britischen Satire-Zeitschrift, die lautete: "Authentische Fälschungen (19. und 20. Jahrhundert) für 150 Pfund". Durch den Verkauf von kopierten Kunstwerken wollte John Myatt, bis dato mittelloser Kunstlehrer, aus seiner finanziellen Misere herauskommen. Doch wurde der wohl genialste Hochstapler der Kunstszene, John Drewe, auf ihn aufmerksam und witterte das große Geschäft in einer Zusammenarbeit mit John Myatt.
Der Fall des Fälscherduos nahm ungeahnte Dimensionen an: Fast ein Jahrzehnt lang konnte der so genannte "Puppetmaster", John Drewe, seiner Marionette John Myatt Fälschungen berühmter Kunstwerke aus dem Pinsel locken. Mit Anstreichfarbe, Schmiermitteln, Haushaltslösungen und Staub malte Myatt etwa 200 Werke der Moderne, darunter Kopien von Werken der Künstler Alberto Giacometti, Jean Dubuffet oder Graham Sutherland. Drewe verkaufte diese an private Sammler, die horrende Preise zahlten. Doch dieser Verkauf reichte dem Kenner der Kunstszene bald nicht mehr aus: Als Kunsthistoriker getarnt, manipulierte der brillante Kopf Kataloge in den Archiven der "Tate Gallery" und des "Victoria and Albert Museums" und verschaffte so Myatts "Meisterwerken" ein gefälschtes Vorleben. Die Plagiate waren so gut, dass sie mit Hilfe der von Drewe gefälschten Zertifikate und Kataloge namhafte Auktionshändler überzeugten, unter anderem das renommierte Auktionshaus "Christie's and Sotheby's". Ein Skandal.
Erst dank eines Zufalls konnte Scotland Yard den größten Betrug der britischen Kunstgeschichte aufdecken. Mit Hilfe von UV-Licht, Röntgenstrahlen und chemischen Analysen gingen die Spezialisten den Kunstwerken auf den Grund und konnten die Fälscher überführen. Doch Myatt und Drewe sind nach Meinungen von Experten nur die Spitze eines Eisbergs. Sie gehen davon aus, dass 10 - 40% der Gemälde, die weltweit auf Auktionen gehandelt werden, gefälscht sind.