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Zehn herausragende indische Filme der letzten zehn JahreAbar Aranye / In the Forest ... Again (Bengali / 2003) R: Goutam Ghose D: Tabu, Samit Bhanja, Soumitra Chatterjee, Subhendu Chatterjee Jahrzehntelang waren es die filmbegeisterten Bengalen, die die ästhetisch differenziertesten Filme Indiens hervorbrachten. Die Regisseure Mrinal Sen, Ritwik Ghatak und ganz besonders Satyajit Ray wurden auch im Westen bekannt. Wenn auch heutzutage das Kino anderer indischer Regionen mehr in Mode gekommen ist, gibt es doch in Bengalen eine jüngere Generation von Regisseuren, deren Werke große Beachtung finden. Neben Buddahdeb Dasgupta, Rituparno Ghosh und Aparna Sen gehört Ghotam Gose zu ihnen; er wurde 1950 in Kalkutta (heute offiziell Kolkata) geboren. Mit ABAR ARANYE, inspiriert von einem der weniger bekannten Filme von Satyajit Ray (ARANYER DIN RAATRI), drehte er ein Road-Movie, das als der vielleicht wichtigste Bengali-Film der letzten Jahre bezeichnet werden kann. Die Besetzung (hervorragend vor allem Tabu) und die moderne Art des Erzählens zeigen, daß sich auch das bengalische Kino den Entwicklungen der Zeit nicht verschlossen hat. Bandit Queen (Hindi / 1996) R: Shekhar Kapur D: Seema Biswas, Manoj Bhajpai,Govind Namdeo M: Nusrat Fateh Ali Khan In dieser fesselnden Arthouse-Produktion erzählt Regisseur Shekhar Kapur die wahre Geschichte von Phoolan Devi, die bereits als junges Mädchen gewaltsam verheiratet und vielfach erniedrigt wurde. Erwachsen geworden, gründete sie eine Bande und führte einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen ihre früheren Peiniger. Zwar stellte sie sich schließlich der Polizei und mußte eine Gefängnisstrafe verbüßen; doch war ihre Popularität so groß, daß sie anschließend eine politische Karriere verfolgen konnte. Nachdem der Film zunächst in Indien anlief und dabei stark zensuriert wurde, erhielt er später zahlreiche Preise auf Festivals und machte den Regisseur international bekannt. Eine großartige Leistung der Hauptdarstellerin Seema Biswas, mit eindrucksvoller Musik des inzwischen verstorbenen Sängers und Komponisten Nusrat Fateh Ali Khan. Bombay (Tamil / 1994) R: Mani Ratnam D: Arvind Swami, Manisha Koirala M: A. R. Rahman Als einziger Filmemacher Indiens nimmt der aus dem südlichen Bundesstaat Tamil Nadu stammende Mani Ratnam in seinem Film BOMBAY direkt auf die sogenannten Bombay Riots Bezug. Die Straßenkämpfe zwischen Hindus und Moslems, bei denen 1992 und 93 zahlreiche Menschen bei lebendigem Leib verbrannt wurden, kosteten an die tausend Todesopfer. Dieser Film - mit eingängigen Songs von A.R.Rahman - existiert auch in einer Hindi-Fassung, die in Indien ebenfalls sehr erfolgreich war. Mit ihm beginnt eine Tendenz, die sich im indischen Kino immer stärker abzeichnet: nämlich daß die aktuellen politischen und sozialen Probleme auch im populären Format des Unterhaltungsfilms Platz haben. Mehr noch: daß sie dort vielleicht besser aufgehoben sind als in Arthouse-Produktionen, die ein viel kleineres Publikum erreichen.Dil To Pagal Hai / Das verrückte Herz (Hindi / 1997) R: Yash Chopra D: Shah Rukh Khan, Madhuri Dixit, Karishma Kapoor M: Uttam Singh Die Familie der Chopras ist eine der wichtigen Film-Dynastien Indiens. So hat zum Beispiel Ravi Chopra 2003 den Film BAGHBAN mit Amitabh Bachchan und Hema Malini gedreht. Sein Onkel Yash Chopra ist mit zahlreichen - oft sehr romantischen - Filmen wie KABHI KABHI, SILSILA, FAASLE, CHANDNI und LAMHE einer der Altmeister Bollywoods. Unter seiner Regie haben so gut wie alle großen Leinwandstars der letzten Jahrzehnte gespielt. In DIL TO PAGAL HAI vermischt Chopra sehr feinfühlig den Stil vergangener Film-Epochen mit gegenwärtigen Bollywood-Moden. Shah Rukh Khans kongeniale Partnerinnen sind Madhuri Dixit und Karishma Kapoor. Wie in den meisten seiner Filme spielen auch hier einige der Song-and-Dance-Szenen in der grünen Alpenlandschaft der Schweiz.Kabhi Khushi Kabhi Gham / In guten wie in schweren Tagen (Hindi / 2001) R: Karan Johar D: Amitabh Bachchan, Jaya Bachchan, Shah Rukh Khan, Hrithik Roshan M: Jatin-Lalit Mit einem gewaltigen Staraufgebot (allen voran Amitabh Bachchan und Shah Rukh Khan) und der Star-Choreographin Farah Khan hat Karan Johar nach KUCH KUCH HOTA HAI mit seinem zweiten Film einen neuerlichen Hit gelandet. Auch in Europa und den U.S.A. lief das Mega-Familienepos in den Kinos vieler Städte und ist inzwischen überall als DVD zu haben. Für Publikum wie für Kritiker des Westens wurde KABHI KHUSHI KABHI GHAM zu dem Paradebeispiel für das eskapistische Kino der indischen Traumfabrik Bollywood. Wenn auch die Handlung des Films banal ist, so ist doch die handwerklich-künstlerische Umsetzung brilliant, vor allem was die Song-and-Dance-Szenen betrifft. K3G - so die gebräuchliche Abkürzung des Titels - ist ein ins Maßlose inszeniertes Familiendrama, das am ehesten ein Pendant in den Hollywood-Fernsehenserien à la Dallas oder Dynasty (Der Denver-Clan) findet.Lagaan / Lagaan - es war einmal in Indien (Hindi / 2001) R: Ashutosh Gowariker D: Aamir Khan, Gracy Singh, Paul Blackthorne, Rachel Shelley M: A. R. Rahman LAGAAN war der Überraschungserfolg des Filmfestivals von Locarno und damit einer der ersten indischen Unterhaltungsfilme, die im Westen gut ankamen. Nachdem er in die engere Auswahl für den Auslands-Oscar kam, wurde man auch in Europa und den U.S.A. auf Bollywood aufmerksam. Der Film spielt zur Kolonialzeit: ein armes indisches Dorf kann die jährliche Grundsteuer (in Hindi: lagaan) nicht aufbringen. Durch eine Wette sehen sich die Bauern gezwungen, gegen englische Soldaten ein Cricket-Match zu spielen. Dazu müssen sie das Spiel jedoch erst von Grund auf erlernen... Es ist eine Geschichte von David gegen Goliath, wobei die Sympathien auch des westlichen Zuschauers sich sehr rasch auf Seite der schwächeren Inder finden. Um den dreieinhalb Stunden langen Film spannend zu finden, ist es nicht notwendig, von Cricket - heutzutage zum indischen Nationalsport geworden - irgendetwas zu verstehen. Padam Onnu: Oru Vilapam / Lesson One: A Wail (Malayalam / 2003) R: T. V. Chandran D: Meera Jasmine, Irshad, Mamu Koya M: Johnson Trotz ihrer Jugend hat die aus dem Bundesstaat Kerala gebürtige Schauspielerin Meera Jasmine schon in vielen Filmen, die in den südindischen Sprachen Malayalam, Tamil und Telugu gedreht wurden, mitgewirkt. Meist waren dies kommerzielle Produktionen; PADAM ONNU ist dagegen ein Low Budget-Film. - Er spielt im Norden Keralas unter der muslimischen Bevölkerung und ist die Geschichte eines muslimischen Mädchens, das gezwungen wird, ihre Schulbildung, die sie mit großem Eifer verfolgt, abzubrechen. Sie soll die zweite Frau eines Mannes werden, dem es hauptsächlich um die Mitgift geht: er will sie dazu verwenden, um als Gastarbeiter in die Golfstaaten zu fliegen. - Dieser Film hat über die Grenzen Keralas hinaus Aufmerksamkeit erregt, und beim Internationalen Filmfestival Indiens 2003 bekam Meera Jasmine dafür den Indian National Award in der Kategorie Best Actress.Rangeela / Bunt (Hindi/1995) R: Ram Gopal Varma D: Aamir Khan, Urmila Matondkar, Jackie Shroff M: A. R. Rahman Einer der wichtigsten Bollywood-Regisseure, die ursprünglich aus dem Kino anderer Regionen stammen, ist Ram Gopal Varma. Ursprünglich Besitzer einer Videothek in Hyderabad im südlichen Bundesstaat Andhra Pradesh, machte er sich rasch als Regisseur von Telugu-Filmen einen Namen. Mit RANGEELA - einem Film, der selbst im Film-Milieu angesiedelt ist - eroberte er schließlich Bollywood. Der Film erzählt die Geschichte der jungen Mili, die während einer Filmproduktion von einer einfachen Tänzerin zur Hauptdarstellerin aufsteigt. Zwar ist sie mit einem sympathischen, aber armen Mann liiert, der sich als Schwarzmarkthändler sein Leben verdient, doch wird sie bald von einem bekannten Filmschauspieler umworben, den sie während der Dreharbeiten kennengelernt hat. Mit einer lebendigen und modernen Kamera- und Schnitt-Technik und der Darstellung des urbanen indischen Alltags hat Ram Gopal Varma das Bollywood-Kino der Gegenwart entscheidend geprägt. Auch holte er den Komponisten A. R. Rahman, der den Musikstil des indischen Kinos der letzten zehn Jahre geradezu revolutioniert hat, von Madras dauerhaft nach Bombay.Satta / Das Spiel der Macht (Hindi / 2003) R: Madhur Bhandarkar D: Raveena Tandon, Atul Kulkarni M: Raju Singh Madhur Bhandarkar, der sein Handwerk bei Ram Gopal Varma lernte, hat erst vier Filme gedreht, zählt aber bereits zu den vielversprechendsten jungen Reisseuren Bollywoods. Wie in seinem preisgekrönten Film CHANDNI BAR mit der Schauspielerin Tabu in der Hauptrolle steht auch in SATTA eine Frau im Zentrum des Geschehens. Anuradha Saigal (überzeugend dargestellt von Raveena Tandon) ist eine ambionierte Frau, die einen Politiker heiratet und nach dessen Verurteilung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe selbst politisch aktiv wird. Ihr Kampf gegen Korruption und andere Schwächen des politischen Systems wird von Bhandarkar in einer stilistischen Gratwanderung zwischen dem populären Bollywood-Format und dem indischen Arthouse-Kino erzählt.Taal / Rhythm (Hindi / 1999) R: Subhash Ghai D: Aishwarya Rai, Akshay Khanna, Alok Nath, Amrish Puri, Anil Kapoor M: A. R. Rahman Lange galt Altmeister Subhash Ghai als Repräsentant einer längst vergangenen Ästhetik. So versuchte er noch 1991, in seinem schwerfälligen Epos SAUDAGAR, das Bollywood der 60er-Jahre in die Gegenwart zu retten. Umso überraschender war es, als er acht Jahre später mit TAAL eine so bissige wie auch unterhaltsame Satire auf die Musikproduktion im Bombay der Gegenwart lieferte. Ein clownesker, aber gleichzeitig geschäftstüchtiger und zynischer Musikproduzent plagiiert und remixt Songs, die irgendwo am Land entstanden sind. Als einer dieser Provinz-Komponisten zusammen mit seiner schönen und begabten Tochter die Metropole besucht, gibt der Produzent dieser nicht nur die Chance, ein Star zu werden, sondern möchte sie schließlich auch heiraten. Doch ist da noch ein anderer ernstzunehmender Konkurrent... Die Tochter wird von Aishwarya Rai gespielt, in einer ihrer ersten großen Rollen nach dem Erfolg des Tamil-Films JEANS.
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