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Das indische Kino | Gefühle die begeistern

Indien und Bollywood

Bollywood- Gefühle die begeistern




Indien ist mit etwa einer Milliarde Einwohner neben China das bevölkerungsreichste Land der Welt. Mit einer Filmproduktion von 700-1000 Filmen jährlich hat der Subkontinent außerdem das größte Kino dieses Planeten vorzuweisen. Umso erstaunlicher ist es daher, dass das indische Kino erst jetzt in der westlichen Hemisphäre Fuß fasst, obgleich es in Afrika, großen Teilen Asiens,der Golfregion, der Türkei und in Osteuropa bereits fester Bestandteil der Kinolandschaft ist.

Das Zentrum dieser Kinokultur ist Mumbai (früher Bombay), auch bekannt als "Bollywood". Ursprünglich prägte den Begriff ein Filmjournalist des Kinomagazins "Cineblitz" und bezeichnete damit die sogenannten Hindifilme, also kommerzielle, populäre und hindi-sprachige Filme, wie sie vor allem in Mumbai produziert werden. Der anfangs vor allem von Kritikern des indischen Kommerzkinos verwendete Begriff hat mittlerweile eine Umwertung ins Positive erfahren und steht heute für das moderne, kreative und innovative Kino Indiens.

Um die Begeisterung für den Stil "Bollywoods" nachvollziehen zu können, ist es unumgänglich, etwas über die Kinokultur Indiens zu erfahren. Fast drei Millionen Inder finden jeden Tag ihren Weg in die Kinos. Meistens besuchen sie dabei die Vorstellung eines "Masala-Films" (nach einer indischen Currymischung), also eines Melodrams, in der eine bunte Palette von Emotionen in der Fusion verschiedener Genres durchgespielt wird. Elementare Bestandteile sind dabei originelle Musikkompositionen, aufregende Schauplätze, glitzernde Stars und atemberaubende Tanzszenen. Die Vorstellungen werden begleitet von kleinen Festen, Buhrufen für den Bösewicht, Sympathiebekundungen für den Helden und Tränen, bis nach drei oder mehr Stunden das obligatorische Happy End dem Treiben ein Ende setzt. Was für den an westliche Konventionen gewohnten Zuschauer zuweilen kitschig und überladen wirkt, repräsentiert das Grundverständnis von Ästhetik der indischen Kultur.

Die vordergründig trivialen und immer gleichen Handlungen kreisen um komplexe Angelegenheiten des alltäglichen Lebens und reihen sich in eine lange indische Kultur der Bildersprache ein. Die Struktur dieser Filme, wie auch des indischen Theaters, lässt sich bis zum "Heiligen Buch der Dramaturgie" zurückverfolgen, welches ca. 200 n. Chr. geschrieben worden sein soll. Dieses Buch, in Auftrag gegeben, um eine Unterhaltungsform zu schaffen, die gleichzeitig hörbar, sichtbar und allen Menschen vertändlich sein sollte, enthält bereits die Elemente des modernen Bollywoodfilms: Sprache, Gesang, Tanz, Mienenspiel und - im Einklang mit der hinduistischen Lebensauffassung - die Regel des Happy End.

Dabei nutzt das Kino die dem Medium eigenen Möglichkeiten und vereint Menschen verschiedener Kasten, Religionen und Sprachen in der anonymen Dunkelheit des Kinosaals. Daher hängt der Erfolg eines Filmes in Indien zu einem großen Anteil von der Originalität der Musik und Tanzszenen ab. Sie dienen der sprachfreien Veranschaulichung von Emotionalität, der vertiefenden Charakterisierung der Figuren und nicht zuletzt dem blumig verschlüsselten Ausdruck von Erotik, in einer Gesellschaft, die das freie Ausleben von Sexualität durch Raumnot und gesellschaftliche Reglements unterbindet. Mit "Monsoon Wedding" von Mira Nair verzeichnete das indische Kunstkino bereits erste Erfolge außerhalb seiner Heimat und auch auf kleineren Filmfestivals erfreuen sich Bollywoodfilme hierzulande einer wachsenden Beliebtheit. Denn trotz seiner oberflächlichen Trivialität verpacken vor allem die neueren Filme brisante Themen in ihre Geschichten und verstärken somit die Attraktivität für ein internationales Publikum. Das Konzept einer universellen Sprache, starkbeeinflusst durch die Videoclip-Ästhetik von MTV, scheint in der Ausbreitung Bollywoods sein filmisches Äquivalent gefunden zu haben. Längst ist die Bollywood Euphorie auch in anderen Ländern ausgebrochen und sogar in Hollywood sorgen indische Regisseure für Blockbuster, wie z.B. Manoj Night Shyamalan mit "The Sixth Sense" und"The Village" oder Tarsem Singh mit dem Psychothriller "The Cell”.




Update: 15/02/05 | Zum Seitenanfang |

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