Palettes
Fragonard
Das Spiel mit den Falten
"Der Riegel"
1775-1777
Musée du Louvre, Paris
Das
Gemälde "Der Riegel", dessen Original verloren
gegangen war, fand als Stich Verbreitung und erfreute sich Ende
des 18. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Im 19. Jahrhundert
tauchte es wieder auf und war sogleich umstritten: die einen
meinten, es stamme nicht von Fragonard, andere interpretierten es
hingegen als Beispiel für einen stilistischen Neubeginn in
Fragonards Schaffen. Ein scheinbar banales Bild mit expliziter
Aussage, hinter der sich aber möglicherweise etwas anderes
verbirgt. Das Merkwürdige ist wohl, daß es das Gegenstück zu
einer religiösen Szene darstellen soll. Diese letzte Spielart
des Gegensatzes zwischen heiliger und profaner Liebe schließt
mehrere Jahrhunderte religiöser Malerei ab und eröffnet eine
neue Epoche: Erotik ist nicht mehr auf die Götter beschränkt,
sondern wird von allen geteilt und gehört zum Alltag.
Schlafzimmer und Bett werden durch Fragonard zum Dekor eines
fantastischen Theaters, in dem die Requisiten - Wäsche, Kissen,
Behänge - mit ihren unzähligen Falten und Vertiefungen am Rande
der Handlung das abwechslungsreiche Relief einer neuen
Liebeslandschaft abgeben.
Dokumentation von Alain Jaubert, La Sept ARTE, Frankreich 1992